Gebrauchte Elektroautos werden auf dem Fahrzeugmarkt immer attraktiver. Viele Fahrzeuge stammen aus Leasingrückläufen, sind oft erst zwei bis vier Jahre alt und verfügen über eine vergleichsweise geringe Laufleistung. Gleichzeitig profitieren Käufer von deutlichen Preisvorteilen gegenüber einem Neuwagen.
Doch beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos gelten teilweise andere Kriterien als bei einem klassischen Verbrenner. Während bei Benzin- oder Dieselfahrzeugen häufig Motor und Laufleistung im Fokus stehen, spielt bei Elektroautos vor allem der Zustand der Batterie eine entscheidende Rolle. In diesem Beitrag erfährst du, worauf du beim Kauf eines gebrauchten E-Autos achten solltest und welche Vor- und Nachteile diese Fahrzeuge bieten.
Warum gebrauchte Elektroautos immer beliebter werden
Viele Interessenten möchten in die Elektromobilität einsteigen, ohne direkt den Preis eines Neuwagens zu zahlen. Genau hier werden gebrauchte Elektroautos interessant.
Besonders attraktiv sind sie durch:
- deutliche Preisvorteile gegenüber Neufahrzeugen
- geringe Wartungs- und Verschleißkosten
- häufig gute Fahrzeugzustände
- sofortige Verfügbarkeit
Da viele E-Autos als Leasingrückläufer auf den Markt kommen, handelt es sich oft um relativ junge Fahrzeuge mit moderner Technik.
Der Batteriezustand ist das wichtigste Kaufkriterium
Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos sollte der Akku immer an erster Stelle stehen. Schließlich bestimmt er maßgeblich die Reichweite und den zukünftigen Fahrzeugwert.
Was bedeutet State of Health (SoH)
Der sogenannte State of Health (SoH) beschreibt die verbleibende Akkukapazität im Vergleich zum Neuzustand. Je höher dieser Wert ausfällt, desto besser ist der Zustand der Batterie.
Als Orientierung gelten folgende Werte:
- bei 50.000 km: mindestens 92 %
- bei 100.000 km: mindestens 88 %
- bei 150.000 km: mindestens 84 %
- bei 200.000 km: mindestens 80 %
Generell sollte ein gebrauchtes Elektroauto möglichst noch über mindestens 80 Prozent seiner ursprünglichen Akkukapazität verfügen.
Nennkapazität prüfen
Neben dem SoH-Wert lohnt sich auch ein Blick auf die aktuelle Nennkapazität des Akkus. Sie zeigt an, wie viel Energie die Batterie aktuell speichern kann und sollte mit den Herstellerangaben verglichen werden.
So lässt sich besser einschätzen, wie stark die Batterie bereits gealtert ist.
Ladeleistung und Ladeanschlüsse beachten
Nicht nur die Reichweite spielt eine Rolle – auch die Ladegeschwindigkeit beeinflusst die Alltagstauglichkeit eines Elektroautos.
Vor dem Kauf solltest du prüfen, ob das Fahrzeug über folgendes verfügt:
- einen CCS-Schnellladeanschluss
- dreiphasiges AC-Laden mit 11 kW
- aktuelle Ladehardware
Gerade ältere Modelle können hier deutliche Unterschiede aufweisen.
Ist die Akkugarantie noch gültig?
Viele Hersteller bieten umfangreiche Garantien auf die Hochvoltbatterie an. Deshalb sollte vor dem Kauf unbedingt geklärt werden:
- Wie lange läuft die Garantie noch?
- Ist sie auf den neuen Besitzer übertragbar?
- Welche Bedingungen gelten?
Eine bestehende Akkugarantie kann das finanzielle Risiko deutlich reduzieren.
Zubehör und Ladeequipment prüfen ?
Beim Besichtigungstermin lohnt sich ein Blick auf das vorhandene Ladezubehör.
Idealerweise gehören zum Fahrzeug:
- Typ-2-Ladekabel für öffentliche Ladesäulen
- Ladekabel für die heimische Wallbox
- optional ein Notladekabel für Haushaltssteckdosen
Fehlendes Zubehör kann später zusätzliche Kosten verursachen.
Bremsen und Fahrwerk nicht vergessen
Viele Käufer konzentrieren sich ausschließlich auf die Batterie und vergessen klassische Fahrzeugkomponenten.
Gerade bei Elektroautos sollten jedoch auch Bremsen und Fahrwerk geprüft werden. Durch die Rekuperation werden die mechanischen Bremsen deutlich seltener genutzt. Dadurch können:
- Rost an Bremsscheiben
- ungleichmäßige Bremsbilder
- längere Standzeiten mit Korrision
auftreten.
Eine gründliche Prüfung durch eine Werkstatt kann hier sinnvoll sein.
Sind die Software-Updates aktuell?
Moderne Elektroautos erhalten regelmäßig Software-Updates, die Funktionen verbessern oder die Ladeleistung optimieren können.
Deshalb sollte geprüft werden, ob:
- das Infotainment-System aktuell ist
- verfügbare Updates installiert wurden
- bekannte Softwareprobleme behoben sind
Die Vorteile gebrauchter Elektroautos
Ein gebrauchtes E-Auto bietet zahlreiche Vorteile gegenüber einem Neuwagen.
Deutlich günstiger als ein Neufahrzeug
Viele Elektroautos verlieren in den ersten Jahren besonders stark an Wert. Für Gebrauchtwagenkäufer ist das ein Vorteil, da viele Fahrzeuge bereits bis zu 40 Prozent günstiger angeboten werden als vergleichbare Neuwagen.
Geringer Wartungsaufwand
Elektromotoren kommen mit deutlich weniger beweglichen Bauteilen aus als klassische Verbrennungsmotoren. Dadurch entfallen wartungsintensive Komponenten wie Ölfilter, Zündkerzen oder eine Auspuffanlage vollständig. Zudem werden die mechanischen Bremsen durch die Energierückgewinnung beim Bremsen deutlich seltener beansprucht, weshalb sie oft länger halten und weniger Verschleiß aufweisen.
Steuerliche Vorteile
Für reine Elektrofahrzeuge entfällt die Kfz-Steuer aktuell für bis zu zehn Jahre, längstens jedoch bis zum 31.12.2030.
Niedrige Betriebskosten
Wer zuhause über eine Wallbox oder sogar eine Solaranlage verfügt, kann sein Elektroauto oft deutlich günstiger laden als ein vergleichbares Benzin- oder Dieselfahrzeug betanken.
Die Nachteile gebrauchter Elektroautos
Natürlich gibt es auch einige Punkte, die Käufer beachten sollten.
Batteriealterung und sinkende Reichweite
möglicherweise abgelaufene Herstellergarantien
langsamere Ladegeschwindigkeit älterer Modelle
schnellere technische Alterung durch den rasanten Fortschritt
Gerade die Entwicklung bei Reichweiten und Ladeleistungen schreitet aktuell sehr schnell voran.
So verlängerst du die Lebensdauer des Akkus
Auch nach dem Kauf kannst du aktiv dazu beitragen, die Batterie möglichst lange in einem guten Zustand zu halten.
Akku möglichst schonen laden
Für eine möglichst lange Lebensdauer der Batterie empfiehlt es sich, den Akku weder vollständig leerzufahren noch dauerhaft auf 100 Prozent aufzuladen. Zudem sollte möglichst überwiegend mit Wechselstrom (AC) geladen werden, da häufiges Schnellladen die Akkuzellen stärker belastet und den Alterungsprozess beschleunigen kann.
Längere Standzeiten beachten
Wenn das Fahrzeug mehrere Tage nicht genutzt wird, sollte der Akkustand möglichst zwischen 30 und 70 Prozent liegen.
Extreme Temperaturen vermeiden
Extreme Temperaturen können sich negativ auf die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit der Batterie auswirken. Deshalb empfiehlt es sich, das Fahrzeug im Sommer möglichst im Schatten zu parken und im Winter, wenn möglich, eine Garage zu nutzen, um den Akku vor starker Hitze oder Kälte zu schützen.
Vorausschauend fahren
Eine vorausschauende und gleichmäßige Fahrweise schont nicht nur den Akku, sondern kann auch die Reichweite des Fahrzeugs erhöhen. Daher solltest du starke Beschleunigungen, abruptes Bremsen und dauerhaft hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn möglichst vermeiden.
Fazit: Gebrauchte Elektroautos können eine clevere Wahl sein
Ein gebrauchtes Elektroauto kann eine attraktive Möglichkeit sein, günstig in die Elektromobilität einzusteigen. Besonders Leasingrückläufer bieten häufig moderne Technik, eine gute Ausstattung und attraktive Preise.
Wichtig ist jedoch, den Zustand der Batterie genau zu prüfen und auf Ladeleistung, Garantie sowie Softwarestand zu achten. Wer diese Punkte berücksichtigt, kann viele Jahre von einem gebrauchten E-Auto profitieren.
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