Gerade im Herbst steigt das Risiko für Wildunfälle. Die Tage werden kürzer, die Dämmerung fällt häufiger in den Berufsverkehr und auf Straßen entlang von Wäldern oder Feldern können Tiere plötzlich die Fahrbahn überqueren.
Kommt es tatsächlich zu einem Zusammenstoß, zählt vor allem eines: Personen schützen, die Unfallstelle absichern und den Wildunfall melden. Auch wenn das Tier anschließend flüchtet oder am Fahrzeug zunächst kein Schaden zu erkennen ist, solltest du den Unfall nicht einfach abhaken.
Warum ist die Gefahr für Wildunfälle im Herbst besonders hoch?
Im Herbst treffen mehrere Faktoren aufeinander. Durch die kürzeren Tage und die Zeitumstellung liegen Morgen- und Abenddämmerung häufiger genau in den Zeiten, in denen viele Menschen zur Arbeit oder nach Hause fahren. Gleichzeitig sind Wildtiere in der Dämmerung besonders aktiv. Überquert ein Tier die Straße, solltest du außerdem damit rechnen, dass weitere folgen können.
Besonders aufmerksam solltest du sein:
- auf Straßen durch oder entlang von Wäldern und Feldern
- in der Dämmerung und bei Dunkelheit
- Bei Nebel, Regen sowie nasser oder laubbedeckter Fahrbahn
- in Bereichen von Wildwechsel-Schildern
- an bekannten Wildunfallstellen
- bei hoch stehenden Maisfeldern oder dicht bewachsenen Straßenrändern
Wildunfall - was ist direkt nach dem Zusammenstoß zu tun?
Nach einem Wildunfall solltest du möglichst ruhig und strukturiert vorgehen. Deine eigene Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer hat dabei immer Vorrang.
1
Sicher anhalten
Halte möglichst kontrolliert am Fahrbahnrand oder an einer anderen sicheren Stelle an und schalte die Warnblinkanlage ein. Ist dies gefahrlos möglich, stellst du anschließend den Motor ab.
Prüfe zuerst, ob du selbst oder andere Personen verletzt wurden. Bei Personenschäden solltest du den Rettungsdienst verständigen und Erste Hilfe leisten.
2
Unfallstelle absichern
Zieh deine Warnweste an, bevor du das Fahrzeug verlässt. Anschließend stellst du das Warndreieck mit ausreichend Abstand zur Unfallstelle auf. Als Orientierung werden etwa 100 Meter genannt, sofern die örtlichen Bedingungen dies zulassen.
Halte dich anschließend möglichst außerhalb der Fahrbahn und, sofern vorhanden, hinter der Leitplanke auf. Besonders auf unübersichtlichen Straßen und bei starkem Verkehr ist Vorsicht geboten.
3
Polizei verständigen
Melde den Wildunfall bei der Polizei. Hilfreich sind dabei möglichst genaue Angaben zu:
- Standort und Fahrtrichtung
- Unfallzeitpunkt
- Tierart, soweit erkennbar
- Zustand des Tieres
- Fluchtrichtung des Tieres
- möglichen Verletzten
- Fahrbereitschaft des Autos
Die Polizei verständigt in der Regel den zuständigen Jagdausübungsberechtigten. Da je nach Bundesland zusätzliche regionale Meldewege bestehen können, ist die Polizei eine sichere erste Anlaufstelle.
Wildunfall: So verhältst du dich gegenüber dem Tier
Wie du dich nach dem Zusammenstoß verhältst, hängt auch davon ab, ob das Tier verletzt wurde, geflüchtet ist oder bereits verendet ist.
Verletztes Wild nicht anfassen
Nähere dich einem verletzten Tier nicht und versuche nicht, es selbst zu versorgen, zu beruhigen oder zum Tierarzt zu bringen. Ein verletztes oder verängstigtes Wildtier kann unberechenbar reagieren und dich verletzen. Halte deshalb ausreichend Abstand.
Geflüchtetes Tier nicht verfolgen
Läuft das Tier nach dem Zusammenstoß davon, solltest du ihm nicht folgen. Merk dir stattdessen möglichst genau:
- wo das Tier die Fahrbahn verlassen hat
- in welche Richtung es gelaufen ist
- ob Blut- oder Haarspuren sichtbar sind
- markante Orientierungspunkte an der Unfallstelle
Diese Informationen können dem zuständigen Jäger dabei helfen, das Tier aufzuspüren. Auch ein Tier, das zunächst unverletzt wirkt, kann innere Verletzungen erlitten haben.
Was tun, wenn das Tier den Wildunfall nicht überlebt?
Ein totes Tier darfst du nach einem Wildunfall nicht einfach mitnehmen. Die unbefugte Aneignung kann als Jagdwilderei strafbar sein.
Stellt der Kadaver eine unmittelbare Gefahr für den Verkehr dar und lässt er sich ohne Eigengefährdung bewegen, kann er mit Handschuhen an den Fahrbahnrand gezogen werden. Ist das nicht sicher möglich, solltest du die Unfallstelle absichern und auf Polizei beziehungsweise Jagdausübungsberechtigte warten.
Wildunfall richtig für die Versicherung dokumentieren
Nach der Absicherung solltest du den Unfall möglichst umfassend dokumentieren. Das erleichtert später den Nachweis gegenüber der Versicherung.
Fotografiere insbesondere:
- Schäden am Fahrzeug
- Unfallstelle, Fahrbahn und Verkehrszeichen
- Haare, Blut oder andere Rückstände
- weitere erkennbare Unfallspuren
Notiere außerdem Kilometerstand, Standort und Fluchtrichtung des Tieres sowie Namen und Kontaktdaten möglicher Zeugen. Falls vorhanden, solltest du dir auch das polizeiliche Aktenzeichen notieren.
Wasche das Fahrzeug zunächst nicht und entferne keine Unfallspuren, solange noch eine Begutachtung durch die Versicherung erforderlich sein könnte.
Wildunfallbescheinigung nicht vergessen
Lass dir eine Wildunfallbescheinigung beziehungsweise Wildschadenbestätigung ausstellen. Diese wird üblicherweise von der Polizei oder dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten ausgestellt und kann für die Schadensregulierung benötigt werden.
Welche Versicherung zahlt bei einem Wildunfall?
Bei einem klassischen Zusammenstoß mit Haarwild wie Reh, Hirsch, Wildschwein oder Hase kann grundsätzlich die Kaskoversicherung für den Fahrzeugschaden aufkommen, sofern der Schaden nachgewiesen werden kann und die jeweiligen Vertragsbedingungen den Fall abdecken.
Entscheidend sind unter anderem:
- die vereinbarte Selbstbeteiligung
- die im Vertrag versicherten Tierarten
- eine rechtzeitige Schadenmeldung
- die erforderliche Wildunfallbescheinigung
- mögliche Vorgaben für Begutachtung und Reparatur
Nicht jeder Zusammenstoß mit einem Tier fällt automatisch unter den klassischen Teilkaskoschutz. Beispielsweise können Unfälle mit Vögeln, Hunden, Katzen, Schafen oder Rindern je nach Tarif anders behandelt werden. Einige Versicherungen erweitern den Schutz allerdings auf weitere oder sämtliche Wirbeltiere.
Eine Vollkaskoversicherung deckt grundsätzlich auch selbst verursachte Fahrzeugschäden ab. Ob eine Regulierung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Schadenshöhe, Selbstbeteiligung und den konkreten Versicherungsbedingungen ab.
Wildunfall ohne sichtbaren Schaden - muss ich ihn trotzdem melden?
Ja. Auch wenn nach dem Zusammenstoß kein Schaden am Auto erkennbar ist, solltest du den Wildunfall melden. Zum einen kann das Tier verletzt geflüchtet sein. Zum anderen sind Fahrzeugschäden nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Gerade Kühler, Unterboden, Beleuchtung, Sensoren oder Assistenzsysteme können betroffen sein.
Eine genauere Überprüfung des Fahrzeugs ist insbesondere sinnvoll, wenn nach dem Wildunfall:
Warnleuchten im Cockpit erscheinen
Flüssigkeit austritt
Beleuchtung oder Stoßfänger beschädigt sind
Lenkung, Bremsen oder Kühlung auffällig reagieren
ungewöhnliche Geräusche auftreten
Sensoren oder Assistenzsysteme nicht mehr richtig funktionieren
Wildunfall - Checkliste für den Ernstfall
Wenn es schnell gehen muss, hilft eine klare Reihenfolge:
Fazit: Nach einem Wildunfall richtig reagieren
Ein Wildunfall ist eine Ausnahmesituation – trotzdem hilft eine klare Reihenfolge. Sichere zuerst Personen und Unfallstelle ab, verständige anschließend die Polizei und dokumentiere den Zusammenstoß möglichst vollständig. Dem Tier solltest du dich nicht nähern, auch wenn es verletzt wirkt.
Gerade im Herbst lohnt sich außerdem erhöhte Aufmerksamkeit auf Straßen entlang von Wäldern und Feldern. Wer Geschwindigkeit und Fahrweise an Sicht- und Straßenverhältnisse anpasst, hat mehr Zeit, auf plötzlich auftauchendes Wild zu reagieren.
Fahrzeug nach einem Wildunfall prüfen lassen
Schäden sind nicht immer sofort sichtbar
Nach einem Wildunfall können auch Unterboden, Kühler, Beleuchtung, Sensoren oder Assistenzsysteme betroffen sein, ohne dass der Schaden auf den ersten Blick erkennbar ist. Wenn du nach dem Zusammenstoß Auffälligkeiten bemerkst oder dein Fahrzeug sicherheitshalber überprüfen lassen möchtest, sind wir für dich da.